1985 Festschrift, Einführung

100 Jahre Philatelisten-Verein Bern 1885-1985 (Festschrift, Original: Seiten 3-6):


Zum Geleit

Als einer der ältesten Schweizer Briefmarkensammler-Vereine dürfen wir das 100-jährige Bestehen feiern. Ein Ereignis, das verdient, würdig begangen zu werden. Die vorliegende Festschrift hält in geraffter Form Rückschau in vergangene 100 Jahre Vereinsgeschichte. Gleichzeitig weist sie auf philatelistisch interessante Zeitepochen hin und gewährt verschiedentlich auch Einblick in die unternommenen Anstrengungen zur Schaffung des Verbandes, dessen eigene Centenarfeier in Bälde bevorstehen wird.

Sie streicht die Bedeutung des Namens Bern auf verschiedene Weise in Form von Sonderbeiträgen hervor und vermittelt auch dem nicht speziell Interessierten eine Fülle geschichtlicher Tatsachen oder Ereignisse, die zu veröffentlichen besonders reizvoll scheinen.

Die mit dem Jubiläum verbundene Ausstellung – zur Hauptsache von Vereinsmitgliedern beschickt – und die grosse Händlerbörse dürften ihre Anziehungskraft nicht verfehlen.

Es ist uns ein aufrichtiges Bedürfnis, den Behörden der Stadt Bern, der Postverwaltung, den eifrigen Sammlerfreunden für ihre spontane Mithilfe und für ihr Verständnis recht herzlich zu danken. Ganz besonderer Dank gebührt der Firma Zumstein mit Herrn Max Hertsch an der Spitze für die tatkräftige, hervorragende Unterstützung und Bereicherung der Ausstellung mit einem philatelistischen Leckerbissen. In diesen Dank einbezogen sind auch alle übrigen Autoren, welche an der Gestaltung der vorliegenden Festschrift mitgewirkt haben.

Henri Kalt
(Präsident Philatelisten-Verein Bern)

Grusswort des Stadtpräsidenten

Herzlichen Glückwunsch

Der Philatelisten Verein, 1885 in Bern gegründet, ist der älteste Briefmarken-Sammler-Verein in unserem Kanton; das ist eine Tatsache, von der wir Berner mit Interesse und Stolz Kenntnis nehmen, und die uns veranlasst, derer zu gedenken, die bei der Gründung und beim Aufbau dabei waren und den heutigen Vereinsträgern Kompliment und Glückwunsch auszusprechen.

Was ich besonders erfreulich finde: Sie feiern Ihr Jubiläum nicht in geschlossener Gesellschaft, sondern stellen Ihr Hobby in einer Jubiläumsausstellung im Casino vor, weil es Ihnen am Herzen liegt, neue Briefmarkenfreunde zum Sammeln anzuregen und auch Unkundigen diese interessante und anregende Freizeitbeschäftigung näher zu bringen. Briefmarkensammeln ist eine zeitgemässe Tätigkeit, denn sie bringt die Welt und Weltgeschichte ins Haus, regt an zu Kontakten mit Gleichgesinnten, die sich unabhängig von Sprachbarrieren, allein schon über dieses verbindende Hobby verstehen. Ausserdem beansprucht sie wenig Platz – auch das eine zeitgemässe Anforderung. Die Fülle von Marken von gestern, heute und morgen ist Garantin dafür, dass das Sammeln nie langweilig wird und eine Sammlung nie abgeschlossen ist, also dauernd aktuell bleibt.

Ich muss es dem Philatelisten Verein hoch anrechnen, dass er mich in seiner Jubiläumsschrift zu Worte kommen lässt, denn er könnte mich mit der Begründung übergehen, dass ich an der Spitze einer Stadtverwaltung stehe, die ihre umfangreiche Post pauschalfrankiert, also ohne Briefmarken, verschickt und damit den Umsatz dieser begehrten Postwertzeichen vermindert …

Anderseits aber darf ich doch auch den Anspruch erheben, an der Spitze einer Stadt zu stehen, die nicht nur ein schönes und schon oft verwendetes Briefmarkenmotiv liefert, sondern überhaupt mit dem Postwesen seit jeher in enger Verbindung steht. Das geht von unserem ersten offiziellen «Postboten», dem wir mit dem Läuferbrunnen bei der Untertorbrücke ein Denkmal gesetzt haben, über die 1675 vom Berner Patrizier Beat Fischer gegründete Post bis zum Weltpostverein, der vor 104 Jahren in Bern ins Leben gerufen wurde und seither hier seinen Sitz hat. Wenn man ferner bedenkt, dass die schweizerischen Postbetriebe in Bern ihr Hauptquartier aufgeschlagen und das einzige PTT-Museum des Landes eingerichtet haben, und dass der für alle Philatelisten so wichtige Verlag ebenfalls bei uns zu Hause ist, dann darf man ruhig damit rechnen, dass Leute, die sich dem Sammeln und Tauschen von Briefmarken verschrieben haben, in Bern viele Gesinnungsgenossen und Befürworter besitzen.

Zum neuen Sammeljahrhundert wünsche ich dem Philatelisten Verein Bern einen verheissungsvollen Auftakt mit Jubiläumsfestlichkeiten, die nicht nur die Briefmarke in den Mittelpunkt stellen, sondern vor allem die menschliche Verbundenheit und Freundschaft, welche über sie geschaffen wurden und die durch gemeinsame Interessen und Aktivitäten auch in Zukunft verstärkt und vertieft werden sollen.

 

 

Zum Geleit

Es ist eigentlich erstaunlich, dass sich vor 100 Jahren ausgerechnet die eher bedächtigen Berner als eine der ersten Gruppen zu einem Philatelisten­verein zusammenschlossen. Diesem «sich-finden» Gleichgesinnter ist zweifelsohne die Freude an einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung Pate gestanden. Diese Freude, die den ganzen Fächer vom landläufigen Hobby bis hin zur Sammler­leidenschaft überspannt, dürfte dem Philatelistenverein Bern all die Jahre hindurch jene Kraft und Dynamik gegeben haben, die nicht blosses Überleben ermöglichte, sondern Grundlage für Aktivität und Tatkraft bester Art war. Die Philatelie, so verstanden, erfüllt erwiesenermassen auch eine kulturelle Aufgabe: neben der Förderung rein zwischen­menschlicher Kontakte wächst Hilfsbereitschaft durch Erfahrungsaustausch, Beratung und faire Angebote zur Ergänzung der Sammlungen. So ist es denn auch kaum erstaunlich, dass zum Jubiläum nur wenige hundert Meter vom Postmuseum entfernt eine Ausstellung entstanden ist, die augenfällig belegt, wie lebendig die Philatelie sein kann, wenn der Geist der Sammler stimmt.

Die PTT-Betriebe freuen sich mit dem 100 Jahre jungen Philatelisten-Verein Bern, hoffend, dass das gegenseitige Verständnis auch künftighin Wege ebnen möge; den tatkräftigen Initiaten der Ausstellung wünschen sie vollen Erfolg.

Der Kreispostdirektor von Bern
P. Friedli

Félicitations

Je mesure avec émotion I’insigne honneur que me vaut votre amitié, celui de vous apporter le salut amical des philatélistes de ce pays à I’occasion du Centenaire de votre Club, le Philatelistenverein. Ce centenaire témoigne de votre engagement permanent, de votre dévouement et surtout de votre enthousiasme pour la philatélie, à qui personne se permettrait de refuser d’être une branche à part entière des sciences humaines.

Rien ne saurait en effet dissocier les relations entre les hommes et la communication personnalisée que représentent la lettre et son timbre d’affran­chissement, à la fois document comptable, oeuvre d’art, traduction d’une technique.

Parler philatélie, collectionner, échanger, serait-ce un acte gratuit? une manie?

D’aucuns penchent pour une manie. Si étymologiquement une manie est une folie, alors la manie des collectionneurs est une douce et absurde folie qui consiste à s’attacher passionnément à de petites choses inertes, à éprouver un désir d’amant pour des objets insensibles. Mais non! Le fou est celui qui s’attache à des êtres mortels, périssables. Le fou, c’est aussi celui qui met toute son âme dans un idéal, un idéal plus vulnérable encore qu’un être vivant.

Toute la sagesse du monde est donc dans I’âme du collectionneur. Elle n’est pas ailleurs car la sagesse est dans ce paradoxe: la passion égoiste, qui ne donne que des joies, sans la contre-partie de déception et de souffrance.

Tout le monde malheureusement ne peut pas être collectionneur. II faut posséder une forte imagination, il faut savoir projeter en dehors certaines illusions interieures qu’on partage avec quelques maniaques de même categorie.

Le collectionneur de timbres-poste est une espèce de poète. Mais un poète d’une espèce très supérieure. Un poète qui a le pouvoir de coller ses rêves, bien proprement entre les pages d’un album, et qui peut les retrouver á volonté, à toute heure du jour ou de la nuit, sans qu’ils soient ternis, défraichis, avi­lis ou emportés comme une vaine fumée par le vent qui passe.

Chers amis philatélistes de Berne, vous êtes-vous reconnus dans cette tentative, téméraire certes, de brosser le portrait psychologique du collectionneur? Si oui, la philatélie demeurera. Dans le cas contraire, eile mourra de mercanti­lisme, de basses spéculations.

Puisse cette misérable perspective ne jamais se matérialiser. C’est certainement Je voeu le plus cher du Philatelistenverein de Berne qui tente de nous faire tous rêver ä I’occasion de son Centenaire.

Longue vie au Philatelistenverein de Berne.

Bernard Morand