1985 Festschrift, Die Epoche nach den Weltkriegen

100 Jahre Philatelisten-Verein Bern 1885 - 1985 (Festschrift, Original: Seiten 27-32)


Peter Pfander, Schüpfen

Die Epoche nach den Weltkriegen

Die philatelistische Neuzeit

Seit 1933 amtet Herr Albert Auberson, beruflich früher als Dienstchef bei den PTT tätig, als Vereinspräsident. Sein umfassendes Wissen über alles, was mit Postwesen und Philatelie zusammenhängt, macht ihn nur schwer ersetzbar, als er 1949 aus gesundheitlichen Gründen einen Nachfolger sucht. Er wird bei einem Ausflug des Vereins nach Laupen gefunden: Bei der Kirchenbesichtigung wird u.a. bekannt, dass eine Glocke durch eine Bierbrauerei gestiftet worden ist. Das gibt Herrn Gustav Hafner zu einer Betrachtung über Hopfen und Malz, Gott erhalt's als Sinnspruch für diese Glocke Anlass. Wer so trefflich, schlagfertig und humorvoll einzugreifen in der Lage ist, wird auch als Vereinspräsident seine Aufgabe meistern können! Herr Gustav Hafner wird zum neuen Präsidenten gewählt und der scheidende Präsident wegen seiner ausserordentlichen Verdienste um den Philatelistenverein Bern zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Es gibt kaum einen Philatelisten, der in jenen ersten Nachkriegsjahren nicht von irgendeinem unbekannten Sammler aus der DDR zum Briefmarkentausch eingeladen worden wäre. Auch an unseren Sitzungen werden regelmässig solche Gesuche vorgelegt und Idealisten gesucht, die ihre Marken im Tausch mit minderwertiger Ware hinter den Eisernen Vorhang zu senden gewillt sind.

Mehrmals hat sich der Verein wieder mit der Lokalfrage zu befassen. Vom Hotel de Ja Poste wird ins Bürgerhaus umgezogen, im April 1954 ins Restaurant Harmonie an der damaligen Kesslergasse (heute Münstergasse), und am 5. April 1965 kann unser neues, sehr gediegenes Lokal im Klubheim des SAC an der Brunngasse bezogen werden.

Wiederholt befasst sich der Verein wieder mit der Ausgabepolitik der PTT. Allgemeine Ablehnung findet z. B. der als Machwerk der PTT scharf kritisierte Juventute-Kehrdruckbogen von 1953. Als kleines Protestmanifest gegen diesen Bogen beschliesst der Verein, für unsere Vereinspost keine Kehrdruckmarken aus diesem Block zu verwenden. Auch mit den Stempelkünstlern an den Postschaltern gehen die Philatelisten ins Gericht, und im Vereinn kommen immer wieder die schlecht gestempelten und dadurch unbrauchbaren Marken zur Sprache.

Der Kampf gegen Fälschungen - in neuerer Zeit insbesondere gegen die epreuves d art der Sperati-Fälschungen - verlagert sich mehr und mehr auf gefälschte Abstempelungen. Auch nachdatierte Stempel tauchen in grosser Zahl auf. Viele dieser Marken kommen aus Deutschland, wo in der Folge zwei Fälscherwerkstätten geschlossen werden können. Der Stempelprüfer Werner Liniger weist in einem Vortrag vor unserem Verein auf die erschreckende Tatsache hin, dass sich 50% aller ihm vorgelegten Stempel leider als falsch erweisen)

Im Herbst 1951 besucht der Verein mit Kollektiv-Bahnbillet die Nationale Briefmarkenausstellung «LUNABA» in Luzern. Dieser Ausstellung ist ein grosser Erfolg beschieden. Es wird ein Reingewinn von 43000 Franken erwirtschaftet, wovon ein Teil der Förderung der Jugendphilatelie zufliessen soll.

Herr Dr.med.dent. Helmuth Portmann macht unsere Mitglieder in einem Gastreferat auf die Gründung eines neuen Motivsammler-Vereins aufmerksam. Die Stimmung unserer Mitglieder ist eher zurückhaltend. Eine Internationale Motivmarken-Ausstellung, der sich ein Vereinsmitglied als Kassier zur Verfügung stellt, schliesst mit einem Defizit von 5000 Franken ab. Der Kassier wird von übelgesinnten Leuten für den Fehlbetrag betrieben, was unseren damaligen Präsidenten, einen eher ruhigen und besonnenen Mann, nach seinen eigenen Worten auf die Palme brachte.

Nach vierjähriger Amtszeit wird Herr Gustav Hafner 1952 als Vereinspräsident durch Herrn Dr. Alfred Guggisberg abgelöst, der im folgenden Jahr an der Delegiertenversammlung von Bellinzona auch zum Redaktor der Schweizerischen Briefmarkenzeitung gewählt wird.

1960 feiert der Verein sein 75-jähriges Jubiläum. Verschiedene Veranstaltungen ehren dieses Ereignis. Eine Jubiläumsauktion unter der vorzüglichen Leitung von Herrn Walter Wegst und ein Vereinsabend im Bürgerhaus werden zu einem vollen Erfolg. Eine Jubiläumsausstellung im Gewerbemuseum wird von 5200 Personen besucht. Ein Sondercouvert und die Anwesenheit eines Automobilpostwagens liefern die nötige Publizität. Mit einem Jubiläumsbankett im Hotel Bellevue wird das 75. Geburtstagsfest unseres Vereins würdig abgeschlossen.

Im selben Jahr kommt dem Verein die Ehre zuteil, den Tag der Briefmarke durchzuführen. Ein Sonderstempel lockt viele Philatelisten ins Bürgerhaus. 10600 Sonderkarten und 11 500 Briefumschläge werden abgesetzt.

Die Mitgliederzahl unseres Vereins geht ständig aufwärts und überschreitet 1966 die Zahl von 300. Herr Freiburghaus wird an der Hauptversammlung für seine langjährige Tätigkeit als Leiter von Jugendkursen zum zweiten Ehrenmitglied unseres Vereins ernannt. Die alljährlichen Auktionen werden in gekonnter Art durch Herrn Wegst durchgeführt. In der internationalen Sammlerwelt erregen die Burrus-Auktionen grosses Aufsehen.

Die grosse Konjunktur und wieder bescheidenere Jahre

Die hervorragend gestaltete Landesausstellung «Expo 1964» fällt zusammen mit der Einführung der Postleitzahlen. Ein neues Kapitel in der Automatisation der Postbetriebe beginnt. Die Jahre der grossen Konjunktur, des unbeschränkten Zukunftsglaubens, machen sich auch auf allen Gebieten der Philatelie bemerkbar. Die Briefmarkenauktionen melden Rekordergebnisse. Die Katalogpreise steigen. Der Neuheitenmarkt und der Ersttagsstempel-Rummel übersteigen alle bisher gewohnten Grenzen. Die Ausgaben Pro Patria und Pro Juventute sind nun unbeschränkt gültig und werden bogenweise von Spekulanten aufgekauft. Mit Unbehagen verfolgen viele unserer Mitglieder diese Entwicklung.

Als Gründungsmitglied des Verbandes Schweizerischer Philatelistenvereine wird unser Verein 1965 beauftragt, den Kongress zur 75-Jahrfeier des Verbandes in Bern durchzuführen. Die Präsidentenkonferenz im Bürgerhaus und die Delegiertenversammlung im Kursaal mit Bankett und Unterhaltungsabend bilden den äusseren Rahmen. Die gleichzeitig durchgeführte «NABRA 1965 BERN» wird zu einem ungeahnten Erfolg. Verschiedene unserer Mitglieder erhalten hohe Auszeichnungen. Der Blockverkauf, zu einem grossen Teil zu Spekulationszwecken getätigt, bringt dem Verband rund 5 Millionen Franken ein. Sie fliessen zur Hauptsache in den Fonds zur Förderung der Philatelie. Jedem Berner Verein werden 13000 Franken übergeben, nebst 7600 Franken als Erlös aus dem Kartenverkauf. Die allgemeine Hausse kommt auch in unserem Rundsendeverkehr zum Ausdruck. 1966 betragen die Entnahmen 118697 Franken.

Die Sonntagvormittag-Börsen, bis 1960 in der Schmiedstube, später im Hotel Metropol durchgeführt, nach einigen Jahren zusammen mit den andern Berner Philatelistenvereinen auf die Samstage verlegt, finden im philatelistisch interessierten Publikum grossen Anklang. Die Monatsbörse, anfänglich im Bürgerhaus durchgeführt, zieht in das Hotel National um, wo uns wesentlich mehr Platz zur Verfügung steht.

Auch in der Philatelie wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Ab 1968 ist ein merklicher Preisrückgang festzustellen. Die Spekulanten sehen nach und nach ihre Felle davonschwimmen. Sorgsam gehütete Blöcke werden plötzlich unter dem Nominalpreis angeboten. Neuere Ganzsachen mit FDC, in Massen angefertigt, bleiben unverkäuflich. Die Katalogpreise sinken oder stagnieren. Hand in Hand mit diesen Erscheinungen sinkt auch das Interesse einiger Mitglieder, und die Mitgliederzahl wird wieder rückläufig. Die grosse Hausse scheint endgültig vorbei. Auch unsere Sitzungen werden im Durchschnitt weniger besucht als in der Zeit der grossen Briefmarken-Euphorie. Mit dem neuen Sammelgebiet «Weltraumbelege» versuchen gewisse Händlerkreise den Markt wieder anzukurbeln. Fast jeder Abschuss einer Weltraumrakete wird begleitet von neuen Ersttagsstempeln, Erinnerungsblöcken und Sonderserien.

In diese Epoche fällt als grosses philatelistisches Ereignis die Neuausgabe des Werkes von Winkler über Abstempelungen in der Vorphilatelie. Intern werden im Verein erstmals im Rundsendedienst «Schnellsendungen» mit besserem Material eingeführt. Sie haben sich bewährt und werden bis auf den heutigen Tag weitergeführt. Eine Neuerung tritt nach dem Rücktritt unseres sehr verdienten Rundsendeleiters Ernst Hählen ein: Das zeitaufwendige Amt wird auf zwei Personen aufgeteilt.

1971 wird in Basel wiederum eine Nationale Briefmarkenausstellung durchgeführt. Mehrere unserer Mitglieder nehmen als Aussteller teil, und mit vier Medaillenträgern sind wir recht gut vertreten. In das philatelistisch eher ruhige Jahr 1972 fällt der Tod unseres Mitgliedes und Seniorchefs der Firma Zumstein, Herrn Arthur Hertsch. Zahllose «Sondercouverts» werden angeboten, und sozusagen in jeder Sitzung wird auf einen Spezialflug oder eine Sonderbeförderung aufmerksam gemacht. Unsere Mitglieder sind bei diesem «Geschäft» eher zurückhaltend.

Die «INTERNABA», Internationale Briefmarkenausstellung 1974 in Basel, wird zu einem ganz grossen Erfolg. Die Qualität der ausgestellten Briefmarken übertrifft alles an bisherigen Ausstellungen zur Schau gestellte Material. Über hundert Goldmedaillen können vergeben werden. Unter einem eher ungünstigen Stern steht dagegen im gleichen Jahr die Regiophil von Pruntrut. U.a. soll eine Sammlung Vorphilatelie der «République de Berne» gezeigt werden. Diese unwiderlegbaren historischen Fakten passen aber den Juraseparatisten nicht ins Konzept. Sie bedrohen die Ausstellung, und auf das beanstandete Objekt muss verzichtet werden. Ferner möchte der Präsident des Organisationskomitees zum «Jahr der Frau» eine Sammlung zum Thema «Frau» vorzeigen. Auch auf diese Sammlung muss verzichtet werden, da einige allzu Hüllenlose unter den ausgestellten Damen hätten Anstoss erregen können!

Nach 22 Jahren Vorsitz tritt Herr Dr. Alfred Guggisberg von seinem Amt als Vereinspräsident zurück, und an der Hauptversammlung 1975 wird Herr Henri Kalt zum neuen Präsidenten gewählt.

Jahr für Jahr folgen sich nun grössere und kleinere philatelistische Ausstellungen: 1976 die erste Ganzsachenausstellung in Burgdorf (GABRA), 1977 die erste Weltausstellung über Jugendphilatelie in Bern und im gleichen Jahr eine kleine Werbeausstellung zum Tag der Briefmarke im Bürgerhaus. 1978 folgt die Nationale Briefmarkenausstellung «LEMANEX» in Lausanne. Vier Vereinsmitglieder nehmen mit Erfolg als Aussteller teil.

Viel zu reden geben die Automaten-Freistempel. Sind das noch sammelwürdige Briefmarken im traditionellen Sinn? Sie werden jedenfalls in den Katalogen aufgeführt.

Ein von den PTT herausgegebener Band «50 Jahre Wertzeichendruckerei PTT» mit Vignette fördert das Interesse unserer Mitglieder an der Herstellung unserer Briefmarken. Die fünf Exemplare des Bandes, die unser Verein erhält, werden unter den Mitgliedern verlost. Eine überaus lehrreiche Führung durch die Wertzeichendruckerei in Ostermundigen wird mit einem hübschen Briefmarkengeschenk gekrönt.

Erstmals nehmen drei unserer Jugendkurs-Teilnehmer an einer Ausstellung teil. Alle drei erhalten an der Exphila 1983 eine Silbermedaille, was die Aussteller und unsere Jugendkursleiter mit berechtigtem Stolz erfüllt. In Basel findet die «TEMBAL», eine internationale Motivbriefmarken-Ausstellung grosse Beachtung. Alles bisherige an Ausstellungen wird aber in den Schatten gestellt durch die «NABA ZÜRI 84», die wohl bedeutendste und grösste Briefmarkenausstellung, die jemals in der Schweiz gezeigt worden ist. Mehrere unserer Mitglieder, die Herren Brauen (Rayonsammlung), Grimm (Sachsen), Dr. Guggisberg (Guatemala), W. Frick (UPU-Jubiläumsausgabe 1900), Trüssel und Schild werden ausgezeichnet.

Was bringt uns die Zukunft?

Seit 1981 laufen die Vorbereitungen für unser 100-jähriges Jubeljahr 1985. Eine ausserordentliche Hauptversammlung vom 16. November 1981 beschliesst die Gestaltung unseres Jubiläums und wählt ein Organisationskomitee. Die erforderlichen Arbeiten sind bei Abfassung dieses Berichtes in vollem Gange. Die Delegiertenversammlung des Verbandes überträgt uns für 1985 ferner die Durchführung des Tages der Briefmarke. Als Motiv für den Tag der Briefmarke dient uns der Bernabrunnen, und unsere Jubiläumsveranstaltungen werden unter dem Signet des alten Standesläufers von Bern, verkörpert durch den Läuferbrunnen am Läuferplatz, stehen.

Unser Weg durch die ersten hundert Jahre unserer Vereinsgeschichte ist damit erzählt. Er ist eine Zusammenfassung wichtiger, unwichtiger und vieler nebensächlicher Begebenheiten, die unser Vereinsleben gestaltet und beeinflusst haben. Wie in jedem Verein ist es die Geschichte eines harten Kerns jener Mitglieder, welche die Seele des Vereins bilden. Sie halten die Mitläufer und die Sympathisanten zusammen und sind an allen Aktivitäten beteiligt. Mögen uns auch in Zukunft Idealisten in genügender Zahl geschenkt werden, die als Zugpferde auch dann eingespannt werden können, wenn es gilt, schwierige Strecken Weges zu befahren.

Die Präsidenten

Die Sekretäre

1885 - 1886 Robert Deyhle

1885 - 1886 Gerhardt

1886 - 1895 Oskar Gruber

1886 - 1890 Rudolf Beer

1895 - 1906 Moritz Strässle

1890 - 1891 Montandon

1906 - 1909 Küpfer

1891 - 1897 Senninger

1909 - 1912 R. Ellenberger

1897 - 1904 August Martin

1912 - 1922 Dr. 0. Weber

1904- 1906 Rädecke

1922 - 1927 Dr. 0. Stiner

1906- 1910 B. Vuillemier

1927 - 1932 August Martin

1910 - 1915 A. Küpfer

1932 - 1933 Hans Roth

1915 - 1922 Hermann Lüthi

1933 - 1949 Albert Auberson

1922 - 1949 Gustav Hafner

1949 - 1952 Gustav Hafner

1949 - 1959 Arthur Rauher

1952 - 1975 Dr. Alfred Guggisberg

1959 - 1975 Anton Zimmermann

1975 -          Henri Kalt

1975 - 1979 Gustav Hafner

  1979 -            GuidoGerber

 
 

Die Kassiere

Die Rundsendeleiter

1885 - 1897 König

1917 - 1921 M. Küpfer

1897 - 1904 Cade

1922 - 1933 Albert Auberson

1904- 1906 Holzer

1933- 1934 Jules Doebeli

1906 - 1910 Robert

1934 - 1946 Albert Auberson

1910 - 1930 Aeschbacher

1946- 1960 Anton Zimmermann

1930 - 1933 Paul Freiburghaus

1960 - 1969 Ernst Hählen

1933- 1960 Rudolf Schaub

 1969- 1975 Anton Zimmermann
                       Ernst Grau

1960 -               Georges Karlen

1975 -     Heinrich Weidmann
                WernerKohler

 
Ehrenmitglieder
Dr. Alfred Guggisberg
Anton Zimmermann
Gustav Hafner

 

 Mitgliederzahlen

1885

7

1921

157

1937

140

1953

173

1971

269

1886

13

1922

166

1938

146

1954

165

1972

255

1888

20

1925

170

1939

141

1959

156

1973

250

1893

49

1926

183

1940

156

1960

164

1974

 246

1894

58

1927

193

1941

155

1961

184

 1975

242

1896

58

1928

 187

1942

 161

 1962

201

 1976

 233

1902

85

1929

176

1943

166

1963

217

1977

221

1903

95

1920

164

1944

171

1964

230

1978

214

1910

110

1931

160

1945

175

1965

240

1979

219

1912

111

1932

159

1948

176

1966

275

1980

221

1914

 136

1933

152

1949

171

1967

301

1981

222

1916

 134

 1934

139

1950

 170

 1968

303

1983

222

1917

137

1935

139

 1951

172

1969

 295

  1984

 216

1920

157

1936

138

1952

170

 1970

279